30.+31. Mai 2006 / Frank Krausser, Daniel Gerstgrasser, Patrick Hächler
Lexikon
Polarluft
Im Polargebiet entstehende sehr kalte Luftmasse, die mit einer nördlichen Luftströmung in Mitteleuropa zu Kälteeinbrüchen führt, bei gleichzeitigem Tiefdruckeinfluss mit Schnee- oder Regenschauern und starken Windböen verbunden.
Lexikon
Kaltfront
Grenzfläche zwischen warmen und kalten Luftmassen, wenn kältere Luft die wärmere Luft am Boden verdrängt. Beim Durchzug einer Kaltfront dreht der Wind unter Auffrischen nach rechts (meist von SW auf NW), die Lufttemperatur sinkt plötzlich (Temperatursturz) und der Luftdruck beginnt zu steigen. Das Wetter nach Frontdurchgang: windig, kühl, häufig Regenschauer (das sog. "Rückseitenwetter"). Unmittelbar nach Durchzug einer Kaltfront ist es jedoch für einige Stunden wolkenlos infolge einer abwärts gerichteten Kompensationsbewegung in der Atmosphäre ("postfrontale Aufheiterung"; im Satellitenbild oft deutlich erkennbar). Siehe maskierte Kaltfront, Fronten.
Niederschlagswarnung von MeteoSchweiz
Bereits am Auffahrtswochenende zeigten die numerischen Modelle einheitlich einen Vorstoss hochreichender
Polarluft gegen die Alpen. In seinem Vorfeld verlief jedoch eine relativ inaktive
Kaltfront nahezu breitenkreisparallel von Osteuropa knapp nördlich der Schweiz vorbei über Frankreich bis zum nahen Atlantik, wo sie eine neue Welle zu bilden schien. In der Schweiz selbst lag am Wochenende noch recht milde und auch hinreichend feuchte Luft. Aufgrund der zu erwartenden Entwicklung und der Ausgangslage gab die MeteoSchweiz bereits am Samstag eine Unwetterwarnung der Stufe 1 wegen Starkniederschlägen für die zentralen und östlichen Voralpen aus. Am Montagmittag wurde die Warnung aufgrund der aktuellen Entwicklung noch auf das Berner Oberland ausgedehnt.
Beachtliche Niederschlagsintensitäten
Die erwähnte erste Front griff am Sonntagvormittag auf die Nordostschweiz und den Basler Jura über und erschien zunächst ziemlich harmlos. Am Nachmittag fielen dann im östlichen Mittelland doch die ersten nennenswerten Niederschläge.
Bild 1: Radarkomposit MeteoSchweiz, Montag, 29. Mai 2006, 2 Uhr Lokalzeit
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Kaltfront
Grenzfläche zwischen warmen und kalten Luftmassen, wenn kältere Luft die wärmere Luft am Boden verdrängt. Beim Durchzug einer Kaltfront dreht der Wind unter Auffrischen nach rechts (meist von SW auf NW), die Lufttemperatur sinkt plötzlich (Temperatursturz) und der Luftdruck beginnt zu steigen. Das Wetter nach Frontdurchgang: windig, kühl, häufig Regenschauer (das sog. "Rückseitenwetter"). Unmittelbar nach Durchzug einer Kaltfront ist es jedoch für einige Stunden wolkenlos infolge einer abwärts gerichteten Kompensationsbewegung in der Atmosphäre ("postfrontale Aufheiterung"; im Satellitenbild oft deutlich erkennbar). Siehe maskierte Kaltfront, Fronten.
Am Abend und in der Nacht aktivierte sich die
Kaltfront an den Voralpen jedoch deutlich, mit auf Nordwest drehenden Winden wurden die noch recht warmen und feuchten Luftmassen am Alpennordhang gestaut und ausgepresst. Die Niederschlagsintensitäten waren beachtlich, innert 18 Stunden fielen stellenweise 35 bis knapp 45 mm Regen. Die Schneefallgrenze war mit 2300 bis 2700 Metern vorerst noch sehr hoch.
Bild 2: Radarkomposit MeteoSchweiz, Montag, 29. Mai 2006, 14 Uhr Lokalzeit
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Polarluft
Im Polargebiet entstehende sehr kalte Luftmasse, die mit einer nördlichen Luftströmung in Mitteleuropa zu Kälteeinbrüchen führt, bei gleichzeitigem Tiefdruckeinfluss mit Schnee- oder Regenschauern und starken Windböen verbunden.
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Schichtung
Siehe Luftschichtung.
Am Montagnachmittag erreichte uns dann die zweite, zur eigentlich hochreichenden
Polarluft gehörende Front. Sie ist auf dem Bild 2 gut zu erkennen. Mit der einsetzenden Kaltluftzufuhr in der Höhe wurde die vertikale
Schichtung im Alpenraum immer labiler, und als die Front in die Alpen eindrang wurden auf der Alpensüdseite auf ihrer Vorderseite Gewitter ausgelöst. Dies ist im Bild 3 (unten) an den gelb und weiss gefärbten konvektiven Zellen zu sehen.
Bild 3: Radarkomposit MeteoSchweiz, Montag, 29. Mai 2006, 17 Uhr Lokalzeit
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Bild 4: Radarkomposit MeteoSchweiz Montag, 29. Mai 2006, 18 Uhr Lokalzeit und 3-stündige Blitzaktivitat
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Bild 4 zeigt die 3-stündige Blitzverteilung (farbige Striche oder Kreuze, die Farbe zeigt das Alter der Blitze) um 18 Uhr Lokalzeit und das dazugehörige Radarbild mit einer kräftigen Gewitterzelle knapp nordöstlich von Mailand. Die Blitze in der oberen linken Ecke des Bildes liegen ausserhalb der Sichtbarkeit des Radars, deuten aber auch dort auf Gewitter hin.
Bild 5: Veranschaulichung des Luftmassenwechsels anhand der Radiosondierung in Payerne.
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Markante Abkühlung
Im Bild 5 wird der Luftmassenwechsel anhand der Radiosondierungen von Payerne deutlich gemacht. Dargestellt sind die Aufstiege vom Sonntag, 28.5.06, 14 Uhr Lokalzeit und vom Dienstag, 30.5.06, 14 Uhr Lokalzeit. Die gelb gefärbte Fläche zeigt die Veränderung der Taupunktkurve und ist in diesem Fall nicht von Interesse, die blaue und blau/gelb überlappende Fläche zusammen veranschaulichen dagegen den Temperaturrückgang im vertikalen Verlauf. Der Temperaturrückgang beträgt in allen Höhen 11 bis 14 Grad, zum Teil sogar bis 16 Grad. Die markante Abkühlung wird auch im Temperaturverlauf an den Bergstationen eindrücklich bestätigt (siehe Bild 6).
Bild 6: Verlauf der Lufttemperatur an verschiedenen Bergstationen. Während auf dem Jungfraujoch am Sonntag noch etwa 0 Grad gemessen wurden, gingen die Werte bis am Dienstagmorgen auf -15 Grad zurück.
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48-stündige Niederschlagssummen und klimatologische Einordnung des Ereignisses
Im Bild 7 sind die 48-stündigen Niederschlagssummen des Zeitraumes von Sonntag, 28.5.06, 8 Uhr bis Dienstag, 30.5.06, 8 Uhr der Stationen von MeteoSchweiz dargestellt. Die gefallenen Niederschlagsmengen sind vor allem den zentralen und östlichen Voralpen entlang beachtlich und führten vielerorts zum starken Anschwellen der Flüsse und Bäche. Die Schneefallgrenze sank in der zweiten Nachthälfte von Montag auf Dienstag gegen 1000 Meter ab, so wurde der Abfluss eines Teils der Niederschläge verzögert und als Schnee gebunden. Der Niederschlagsschwerpunkt ist mit 80 bis 90 mm/48h in einem Streifen vom Haslital über die Region Engelberg und den Kanton Schwyz bis ins Toggenburg zu finden. Der Wert von 90 mm in 48 Stunden in Einsiedeln (SZ) bedeutet für den Monat Mai etwa ein 20 bis 30-jähriges Ereignis. Bei den 84 mm in Ebnat Kappel (SG) handelt es sich in etwa um ein 15-jähriges Ereignis.
Bild 7: 48-stündige Niederschlagssummen einiger Messstationen von MeteoSchweiz (ANETZ, ENET und Klimastationen)
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Schneefall in Meiringen (595 m) am Morgen des 31. Mai 2006
In der Nacht auf den Mittwoch, 31. Mai 2006 ist die Schneefallgrenze sogar noch etwas tiefer gesunken als am Dienstag. Am tiefsten lag sie im Haslital, wo bis in den Talgrund Schnee beobachtet wurde. Die Klima station Meiringen, 595 m, BE meldete mit der Morgenbeobachtung eine Schneehöhe von 2 Zentimetern.
In den höheren Gebirgslagen fiel praktisch der ganze Niederschlag seit Sonntag in Form von Schnee. So wurden auf dem Grimselpass total 43 und auf dem Säntis 49 Zentimeter Neuschnee gemessen.
Die tiefe Schneefallgrenze ist damit begründet, dass Luftmassen aus polnahen Gebieten auf direktem Weg zu den Alpen flossen. Als Folge starker Niederschläge in einzelnen Alpentälern sank die Schneefallgrenze mit Niederschlagsabkühlung lokal um zusätzlich bis zu 300 Meter.
Es kommt recht selten vor, dass es Ende Mai auf 600 Meter hinunter schneit. Im Zeitintervall von je einer Woche vor und nach dem 31. Mai konnten in den letzten 50 Jahren schweizweit 4 Vergleichsfälle gefunden werden:

am 29. Mai 1961 wurde auf dem Zürichberg 1 cm Schnee gemessen, auf 700 Metern war es zwischen Bern und St.Gallen weiss

am 2. Juni 1962 meldete Interlaken 4 cm Neuschnee, Lagen um 600 Meter in der Zentral- und Ostschweiz wurden angeschneit

am 23. Mai 1983 lag in der Ostschweiz bis etwa 700 Meter Schnee, in Chur waren es gar 4 cm. Ausserdem wurden dort am Folgetag nochmals 6 cm Neuschnee gemessen

und schliesslich schneite es am 30. Mai 1986 verbreitet bis etwa 700 Meter. Meiringen und Ebnat-Kappel (SG) meldeten je 1 cm Schnee
Somit kann - regional betrachtet - von einem 30- bis 50-jährigen Ereignis gesprochen werden. Die Konzentration aller dieser Fälle auf die geraden Jahrzehnte dürfte aber eine zufällige Konstellation sein...
Neuschneehöhe am Morgen des 31. Mai 2006, 8 Uhr (geordnet nach Meereshöhe)
| Messstelle: | Höhe über Meer: | Neuschneehöhe, 31.5.06 |
| | | |
| Meiringen, BE | 595 m | 2 cm |
| Einsiedeln, SZ | 910 m | 1 cm |
| Elm, GL | 965 m | 3 cm |
| La Chaux-de-Fonds, NE | 1018 m | 4 cm |
| Gstaad, BE | 1045 m | 8 cm |
| Disentis, GR | 1190 m | 5 cm |
| Adelboden, BE | 1320 m | 13 cm |
| Ulrichen, VS | 1345 m | 2 cm |
| Andermatt, UR | 1442 m | 17 cm |
| Blatten, VS | 1535 m | 5 cm |
| Davos, GR | 1590 m | 8 cm |
| Arosa, GR | 1840 m | 14 cm |
| Grimsel Hospiz | 1980 m | 31 cm |
| Säntis, SG | 2502 m | 28 cm |
| Weissfluhjoch, GR | 2690 m | 17 cm |
Die Alpen als Wetterscheide
Während es am Alpennordhang lokal bis gegen 600 Meter hinunter schneite, sorgte der Nordwind im Tessin die meiste Zeit für sonniges Wetter und ausgesprochen klare Sichtverhältnisse. Der untenstehende Bildvergleich am frühen Morgen zeigt die krassen Wetter unterschiede zwischen der Alpennord- und Alpensüdseite.
mehr zu den Alpen als Wetterscheide
Bild 8: Verschneite Landschaft in Chateau-d'Oex (980 m), VD am frühen Morgen des 31. Mai 2006. (Quelle: Kameranetz MeteoSchweiz)
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Bild 9: Sonnenaufgang in Novazzano, Mendrisiotto, TI am frühen Morgen des 31. Mai 2006. (Quelle: Kameranetz MeteoSchweiz)
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Tageswetterbulletins vom 28. - 31. Mai 2006
In den Tageswetterbulletins (pdf-Version) finden Sie zusätzliche Informationen zur Wetterlage, welche die Starkniederschläge und den Kaltlufteinbruch verursacht hat (Bodendruckkarte mit Fronten, Höhenwetterkarte, Radiosondierung, Wettermeldungen...).