Wie nass war nun aber der Frühling 2006 wirklich? Ein Blick auf die Abweichung der Frühjahrsniederschläge im Vergleich zu den langjährigen Mittelwerten (1961-1990) zeigt, dass in einigen Gebieten mehr als das zweifache der üblichen Niederschlagsmenge fiel. Nordwestlich etwa einer Linie Lausanne - St. Gallen war der Niederschlagsüberschuss besonders ausgeprägt. Aber auch im nördlichen Wallis sowie am Alpennordhang waren die Niederschläge zum Teil deutlich überdurchschnittlich. Am zentralen Alpenhauptkamm und in Graubünden fielen die üblichen Mengen. Einzig im Tessin war es im Schutze der Alpen zu trocken. Im Südtessin mit nur ca. der Hälfte der normalen Mengen sogar recht deutlich.
Niederschlagssummen im Frühling 2006 für einige Stationen
| Station | Niederschlag (mm) Frühling 2006 | Bisheriger Rekord (mm) und Jahr | Rang 2006 |
| Basel | 422.6 | 416.8 (2001) | 1. |
| Bern | 547.7 | 490.5 (1876) | 1. |
| Chateau d'Oex | 501.0 | 498.9 (2001) | 1. |
| Chaumont | 559.0 | 527.6 (2001) | 1. |
| Säntis | 1127.8 | 1106.3 (1994) | 1. |
| Zürich MCH | 509.9 | 483.4 (2001) | 1. |
| Sion | 255.6 | 264.6 (1914) | 3. |
| Engelberg | 546.9 | 608.6 (1939) | 5. |
| Genf | 354.1 | 469.3 (2001) | 7. |
| Davos | 234.0 | 424.1 (1878) | 40. |
| Sils Maria | 161.5 | 551.2 (1983) | 106 |
| Lugano | 230.0 | 859.8 (1925) | 125. |
Trotz der zum Teil grossen Niederschlagsmengen kam es zwar zu lokalen aber nicht zu verbreiteten Problemen durch Hochwasser. Dies hat im Wesentlichen drei Gründe:

Der Herbst 2005 sowie die Wintermonate 2005/2006 waren deutlich zu trocken. Dadurch waren die Füllstände der Seen und des Grundwassers auf einem sehr tiefen Niveau bevor die Niederschläge einsetzten. Ein grosser Teil des Niederschlages konnte dadruch aufgefangen werden.

Viele der Niederschlagsereignisse waren verbunden mit dem Einfliessen von kühlen Luftmassen. Dadurch war die Schneefallgrenze verhältnismässig tief, zum Teil fiel sogar bis in die Niederungen der meiste Niederschlag als Schnee (z.B. beim Rekordschneefall anfangs März). Dadurch wurde ein Teil des Niederschlag gespeichert und kam nicht unmittelbar zum Abfluss, sondern gelangte erst verzögert durch die Schneeschmelze in die Gewässer.

Die einzelnen Niederschlagsereignisse waren regional zwar beträchtlich und führten zu lokalen Schäden, sie blieben aber grossräumig mengenmässig deutlich unter den Werten bekannter Hochwassereignisse wie zum Beispiel im vergangenen August 2005. Es war also vielmehr die grosse Anzahl der Niederschlagsereignisse die zu den erwähnten Rekordwerten führte, als das Ausmass eines speziellen Ereignisses.
