Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz

Besondere Ereignisse

15. Juni 2006 / Stefan Bader, Thomas Schlegel

 

Ausgesprochen nasser Frühling 2006

 

Der meteorologische Frühling 2006 (März-Juni) wurde allgemein als unfreundlich und nass empfunden. Niederschlagsreiche Witterungsperioden dominierten das Wettergeschehen. Dabei fielen in regelmässigen Abständen immer wieder, zum Teil auch starke Niederschläge. Längere stabile Wetterlagen mit schönem Wetter waren die Seltenheit. Die bedeutenden Wettereignisse der letzten Monate sind ausführlich beschrieben.

Wie nass war nun aber der Frühling 2006 wirklich? Ein Blick auf die Abweichung der Frühjahrsniederschläge im Vergleich zu den langjährigen Mittelwerten (1961-1990) zeigt, dass in einigen Gebieten mehr als das zweifache der üblichen Niederschlagsmenge fiel. Nordwestlich etwa einer Linie Lausanne - St. Gallen war der Niederschlagsüberschuss besonders ausgeprägt. Aber auch im nördlichen Wallis sowie am Alpennordhang waren die Niederschläge zum Teil deutlich überdurchschnittlich. Am zentralen Alpenhauptkamm und in Graubünden fielen die üblichen Mengen. Einzig im Tessin war es im Schutze der Alpen zu trocken. Im Südtessin mit nur ca. der Hälfte der normalen Mengen sogar recht deutlich.

 

Niederschlagssummen Frühling 2006, Verhältnis zur Norm

Bild 1: Niederschlagssummen des vergangenen Frühling, Verhältnis zur Norm in %.

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Der Vergleich der Niederschlagssummen des Frühlings 2006 mit den Aufzeichnungen seit Messbeginn 1864 macht deutlich, dass der diesjährige Frühling auch bezüglich der absoluten Niederschlagsmenge aussergewöhnlich war. An vielen Stationen im Mittelland der Alpennordseite fiel in den Monaten März bis Juni etwa die Hälfte der durchschnittlichen Jahresniederschläge. An einigen Messstandorten, wie z. B. Zürich und Bern, wurde gar der niederschlagsreichste Frühling seit Beginn der systematischen Aufzeichnungen im Jahre 1864 verzeichnet. Ob es im Mittelland grossflächig zu Rekorden kam, muss mit weiteren Auswertungen von zusätzlichen Stationen aus dem Niederschlagsmessnetz analysiert werden. Aufgrund der zum Teil schauerartigen bzw. gewittrigen Niederschläge mit lokal unterschiedlich ausgeprägten Niederschlagsmengen ist davon auszugehen, dass es nicht überall für Rekorde reichte.

 

Bild 2: Niederschlagssummen März bis Mai 2006

Bild 2: Niederschlaggsummen in mm von März bis Mai 2006.

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Für die Auswertungen in der nachfolgenden Tabelle wurden ausschliesslich homogenisierte Niederschlagsreihen verwendet. Mit dem Verfahren der Homogenisierung werden Veränderungen in den Zeitreihen, die nicht klimatologischer Natur sind, mit Hilfe von statistischen Verfahren bereinigt. Solche nicht klimatologische Einflüsse sind zum Beispiel Stationsverschiebungen und Änderungen in der Messtechnik.

 

Niederschlagssummen im Frühling 2006 für einige Stationen

StationNiederschlag (mm) Frühling 2006Bisheriger Rekord (mm) und JahrRang 2006
Basel422.6416.8 (2001)1.
Bern547.7490.5 (1876)1.
Chateau d'Oex501.0498.9 (2001)1.
Chaumont559.0527.6 (2001)1.
Säntis1127.81106.3 (1994)1.
Zürich MCH509.9483.4 (2001)1.
Sion255.6264.6 (1914)3.
Engelberg546.9608.6 (1939)5.
Genf354.1469.3 (2001)7.
Davos234.0424.1 (1878)40.
Sils Maria161.5551.2 (1983)106
Lugano230.0859.8 (1925)125.
Grossflächige Überschwemmungen blieben aus

Trotz der zum Teil grossen Niederschlagsmengen kam es zwar zu lokalen aber nicht zu verbreiteten Problemen durch Hochwasser. Dies hat im Wesentlichen drei Gründe:

Der Herbst 2005 sowie die Wintermonate 2005/2006 waren deutlich zu trocken. Dadurch waren die Füllstände der Seen und des Grundwassers auf einem sehr tiefen Niveau bevor die Niederschläge einsetzten. Ein grosser Teil des Niederschlages konnte dadruch aufgefangen werden.


Viele der Niederschlagsereignisse waren verbunden mit dem Einfliessen von kühlen Luftmassen. Dadurch war die Schneefallgrenze verhältnismässig tief, zum Teil fiel sogar bis in die Niederungen der meiste Niederschlag als Schnee (z.B. beim Rekordschneefall anfangs März). Dadurch wurde ein Teil des Niederschlag gespeichert und kam nicht unmittelbar zum Abfluss, sondern gelangte erst verzögert durch die Schneeschmelze in die Gewässer.


Die einzelnen Niederschlagsereignisse waren regional zwar beträchtlich und führten zu lokalen Schäden, sie blieben aber grossräumig mengenmässig deutlich unter den Werten bekannter Hochwassereignisse wie zum Beispiel im vergangenen August 2005. Es war also vielmehr die grosse Anzahl der Niederschlagsereignisse die zu den erwähnten Rekordwerten führte, als das Ausmass eines speziellen Ereignisses.

 

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