Bundesamt für Meteorologie und Klimatologie MeteoSchweiz

Besondere Ereignisse

01. September 2006 / Stephan Bader

 

Wie kalt war der August 2006 wirklich?

 

Im langjährigen Durchschnitt bildet die erste Augusthälfte zusammen mit der zweiten Julihälfte den eigentlichen Hochsommer auf der Alpennordseite. In dieser Zeit wird das Jahresmaximum der Temperatur und das Minimum der sommerlichen Niederschlagsbereitschaft erreicht.

Häufig verabschiedet sich der Hochsommer etwa um den 20. August. Mit einem drastischen Rück-gang der Maximum-Temperaturen und vermehrt trüben, niederschlagsreichen Tagen übernimmt im letzten August-Drittel der Herbst das Witterungs-Regime auf der Alpennordseite. In den Alpen fällt in dieser Zeit oft Schnee bis auf etwa 1800 m ü.M. hinunter.

Der Hochsommer 2006 endete viel früher. Genau auf den Augustbeginn, also mitten im normalen Hochsommer, übernahmen deutlich zu kühle Luftmassen das Witterungsregime in der Schweiz und im übrigen Mitteleuropa. Die Tagesmittel-Temperaturen (das Mittel aus 24 Stunden) bewegten sich in der ersten Monatshälfte und auch während der letzten Tage des Monats deutlich unter dem langjähri-gen Durchschnitt. Nur zwischen dem 15. und 25. August erreichten sie mehr oder weniger normale Werte, was aber immer noch weit entfernt von hochsommerlicher Wärme war.

Die anhaltend viel zu kühlen Bedingungen liessen die Monatsmittel-Temperatur auf ein ungewohnt tiefes Niveau absinken. Im Flachland der Alpennordseite lag sie schliesslich vielerorts zwischen 1.5 und 2.0 Grad tiefer als normal.

 

Augusttemperatur 1864-2006

Grafik: Die jährliche Abweichung der August-Temperatur im Flachland der Schweiz vom langjährigen Durchschnitt (Norm 1961-1990). Durchschnitt der Messreihen Genève, Basel und Zürich (homogene Temperaturreihen). Die Messreihe Bern wurde bewusst nicht mit einbezogen, da die Messstation Bern im August verlegt wurde und damit die bisherige Norm nicht dem neuen Standort entspricht.

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Im langfristigen Vergleich liegen ähnlich tiefe August-Monatsmittel fast dreissig Jahre zurück. Basel zeigte 1979 ein Augustmittel von 16.2 Grad, 1978 ein solches von 16.1 Grad. 2006 lag das Augustmittel von Basel bei 16.3 Grad. In Genf waren der August-Temperaturen von 1977 bis 1979 praktisch gleich kühl wie dieses Jahr (1977: 17.0 Grad; 1978: 16.7 Grad; 1979: 17.1 Grad; 2006: 16.8 Grad). In Zürich war es im August 2006 mit 14.8 Grad kühler als in der Phase 1976-1979. Damals zeigten hier die August-Temperaturen zwischen 15.4 und 15.6 Grad.

 

Verändertes August-Klima

Gegen Ende der 1980er Jahre haben sich die August-Temperaturen auffallend verändert, indem sie sich sprungartig um mehr als +1 Grad erhöhten. Gehörten vor 1980 kühle August-Temperaturen, wie die eben erlebten, zur Normalität des damaligen Klimas, sind sie in der Zeit von 1983 bis 2004 vollständig aus dem Klimaverlauf verschwunden. In diesem Sinne ist der kühle August 2006 nichts anderes als die Wiederaufnahme der früheren Tradition, und somit eigentlich nichts ungewöhnliches.

 

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