04. Oktober 2006 / Andreas Hostettler, Marco Stoll
Wetterentwicklung
Am Dienstag 3. Oktober 2006 lag ein umfangreiches und kräftiges Tief über Südskandinavien. An seiner Südwestflanke entwickelte sich über der Biskaya im Grenzbereich polarer Kaltluft und feuchtwarmer Subtropenluft in den frühen Morgenstunden ein kleines Sturmtief. Dieses zog unter Intensivierung sehr rasch über Südfwestrankreich hinweg nach Nordosten. In Cap Ferret an der französischen Atlantikküste wurde beim Durchzug des Tiefs eine Spitzenböe von 165 km/h gemessen.
MSG Infrarot Satellitenbild überlagert mit Windfiedern und Isobaren vom 3.10.06, 10.15 Uhr.
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Mit der weiteren Verlagerung des Tiefs gegen das Burgund verstärkte sich die Föhnströmung über dem Alpenraum. Der Föhn trieb die Temperaturen in den Föhntälern der Alpennordseite bis auf 26.6° C. Gleichzeitig entwickelte sich auf der Vorderseite des Tiefs eine kräftige, von Gewittern durchsetzte Kalftfront, welche um die Mittagszeit den Jura und die Genferseeregion erreichte.
Radarbild überlagert mit Windfiedern und Blitzentladungen vom Dienstag, 3.10.06 12.50 Uhr
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Intensive Gewitterregen auf der Alpensüdseite.
Die Kaltfront verlagerte sich rasch weiter Richtung Osten, sodass bis zum späten Nachmittag praktisch das ganze Mittelland und der Alpennordhang vom Regen erfasst wurden. Die Winde frischten zwar auf, wehten jedoch mit Ausnahme der Berg- und Hügellagen nur mässig. Auf der Alpensüdseite wurde die feuchtwarme Luftmasse mit der heranrückenden Kaltfront nun zunehmend labilisiert. Die seit den Morgenstunden mässigen Stauniederschläge wurden zunehmend intensiver und im Locarnese entwickelte sich am frühen Abend eine quasistationäre Gewitterlinie, welche sich bis zum Misox erstreckte. Während rund 3 Stunden kam es auf einer Achse Locarno-San Bernardino zu intensiven Gewitterregen. Dabei wurden in Locarno Monti über 100 mm Regen gemessen, davon 47 mm in einer halben Stunde!
Radarbild überlagert mit Windfiedern und Blitzentladungen vom Dienstag, 3.10.06, 20.10 Uhr
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Niederschlags-Stundensummen an den Stationen Locarno Monti, San Bernardino und Hinterrhein.
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Mit Druckanstieg verbreitet Sturmböen
Hinter der Kaltfront kam es im zentralen- und nordöstlichen Mittelland in den Abenstunden zu einer vorübergehenden Beruhigung. Bei Sonnenuntergang konnten vielerorts spektakuläre Wolken- und Lichtstimmungen beobachtet werden. Gleichzeitig floss in der Westschweiz auf der Rückseite des Randtiefs trockene Luft ein und der Luftdruck stieg rasch und stark an. Der Druckgradient war vor allem gegen die Nordwestschweiz recht gross: zeitweise betrug dieser fast 10 hPa zwischen Genf und Basel. Es erstaunt dann auch nicht, dass in Binningen bei Basel mit 112 km/h die höchsten Böenspitze im Flachland gemessen wurde. Sonst wurden in den Niederungen verbreitet 70 bis 90, in leicht erhöhten Lagen 90 bis 110 und über dem Jura sowie den Voralpen bis zu 130 km/h gemessen.